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Neue Nationalgalerie | Kuratorenführung

Die umfangreiche Einzelausstellung widmet sich einem der wichtigsten Themen in dem facettenreichem Werk des 1964 in München geborenen Künstlers: Deutschland. Die rund 40 ausgestellten Arbeiten beschäftigen sich mit gesellschaftlichen und geschichtlichen Ereignissen in Deutschland, vorwiegend seit 1945. Es ist daher kein Zufall, dass die Ausstellung mit den Jubiläen zweier historischer Ereignisse der deutschen Geschichte zusammenfällt: der Gründung der Bundesrepublik Deutschland vor 60 Jahren und dem Mauerfall vor 20 Jahren.

Thomas Demands Arbeitsweise geht über die Fotografie hinaus: In der Regel dienen dem Künstler Bildvorlagen aus der Berichterstattung der Massenmedien als Ausgangspunkt für den Bau raumgreifender Skulpturen aus Papier und Pappe, die die zweidimensionale Vorlage in die Dreidimensionalität übersetzen. Diese räumlichen (Re)konstruktionen fotografiert der Künstler mittels Großbildkamera, bevor er die papierenen Skulpturen zerstört. Auf den Vorlagen vorhandene Gebrauchsspuren, Details und abgebildete Personen werden nicht in den lebensgroßen Nachbau übernommen. So entstehen Phantombilder von “Tatorten” abwesender Ereignisse, die einerseits bekannt erscheinen, andererseits ungreifbar bleiben.

Demands rekonstruktive Beschäftigung mit Bildern, die eine Bedeutung tragen oder zu tragen scheinen, lenkt unsere Aufmerksamkeit auf unser Rezeptionsverhalten gegenüber visuellen Medien und deren Einfluss auf unsere Erinnerung. In der Ausstellung werden die Arbeiten durch hierzu entstandene Bildlegenden von Botho Strauß begleitet, die die Werke jedoch nicht erklären, sondern als eigenständige Texte neue Lesarten eröffnen.