Der Künstler Anselm Reyle zeigt uns seine Arbeitsräume

Anselm Reyle gehört seit etwa 3 Jahren zu der jungen aufstrebenden Künstlergeneration Berlins.

Mit seinen Streifenbildern schaffte er den Durchbruch auf dem Kunstmarkt und baute darauf hin ein solides mittelständisches Unternehmen auf, in dem zeitweise an die 50 Assistenten arbeiteten, bis letztes Jahr die Wirtschaftskrise auch ihn dazu zwang sich wieder zu verkleinern.

2002 fand er im Atelier eines Freundes ein Stück goldene Metallic-Dekofolie und hatte den Einfall, sie auf einer Leinwand zu befestigen. Er experimentierte mit diesem Material so lange, bis der Faltenwurf und die Lichtreflexe ihn an die abstrakte Malerei erinnerten. Auch seine bekannten Streifenbilder werden aus unterschiedlichsten Materialien zusammengestellt.

In vielen seiner Arbeiten verwandelt er die Rohstoffe und Zeichen der Konsumkultur in Kunstprodukte. Sie nehmen ihren Ausgang von halbindustriell gefertigten Deko-Objekten um sich dann ihren Referenzpunkt in der Kunstgeschichte zu suchen. Reyle bedient sich verschiedener Kunstströmungen der letzten Jahrzehnte, wobei vor allem die Kombination der Materialwahl und der Oberflächenstruktur vordefinierte und unausgesprochene Grenzen überschreit.

Anselm Reyle erneuert die abstrakte Kunst, indem er durch ironische Kommentare Assoziationen und Referenzen hinterfragt und damit gleichzeitig Nähe und Distanz zu seinen Werken schafft.

Am 18. Juni haben wir die einmalige Gelegenheit hinter die Kulissen zu schauen: Anselm Reyle wird uns eine Führung durch seine Atelierräume geben.

secondhome projects

Schon seit einigen Jahren wird der Wedding in den Stadtmagazinen immer wieder zum künftigen In-Viertel gekürt. Auch das Galerien- Kreativbüro und Kunstwohnhausprojekt secondhome folgt dieser Argumentation:

‚Im vergangenen Jahr sind die kulturellen und künstlerischen Aktivitäten im Wedding enorm angestiegen. Ein Pluspunkt für den Kiez. Die Aufmerksamkeit, die der Wedding als alternativer Kunst- und Kulturstandort erhält, zieht mittlerweile Touristen aus aller Welt an. Schließlich gibt es dort häufiger als auf den ausgetretenen Galeriepfaden in Mitte künstlerische Auseinandersetzungen ohne den kommerziellen Druck des Marktes zu entdecken‘- so die website.

Secondhome kann dabei an kulturelle Einrichtungen wie die nahegelegenen Osramhöfe, die Uferhallen, sowie die Kolonie Wedding anknüpfen. Gleichwohl ist das Projekt in einer spannenden Aufbauphase begriffen, deren Ausgang noch ungewiss erscheint.

Um zu erfahren, was sich wirklich hinter dem ‚Neuen Wedding‘ verbirgt, haben wir ein Treffen mit Petra Prahl vereinbart, die das Projekt begleitet. In einer Führung durch die Räumlichkeiten wird sie uns neben dem künstlerischen Programm das stadträumliche Konzept von secondhome präsentieren und so Potentiale des Kunststandortes Wedding beispielhaft verdeutlichen.

Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden

Prominente Leihgeber aus aller Welt unterstützen das ambitionierte Ausstellungsprojekt, das in einer außerordentlichen Dichte die Werke der beiden wohl bekanntesten niederländischen Meister des 15. Jahrhunderts im direkten Vergleich sichtbar macht.

Um 1430 kommt es in den Niederlanden zu einer künstlerischen Revolution: Detailrealismus, die genaue Wiedergabe der sichtbaren Welt und eine naturalistische Lichtdarstellung setzen neue Impulse in der Malerei. Dabei sind die Namen Jan van Eyck und der Meister von Flémalle mit seinem Schüler Rogier van der Weyden die Hauptvertreter des veränderten Stils. Doch während Jan van Eycks Bilder durchgehend signiert und von den Kunsthistorikern bereits ausführlich erforscht sind, ist der Name „Meister von Flémalle“ ein Konstrukt; ein Geschöpf der Stilkritik des 19. Jahrhunderts. Um drei Tafeln herum, die von derselben Hand stammen, wurden weitere Bilder demselben Künstler zugesprochen. Tatsächlich aber wurden diese Gemälde von verschiedenen Händen ausgeführt. Irrtümlich ist auch die Herkunftsbezeichnung Flémalle: Denn die drei Hauptwerke, die dem Maler zugesprochen wurden, kommen nicht – wie zuvor angenommen – aus einer Werkstatt in Flémalle.

Seit dem frühen 20. Jahrhundert ist der Meister von Flémalle wiederholt mit dem Namen Robert Campin (geboren 1375) identifiziert worden. Die Gleichsetzung der Kunstfigur mit dem in Urkunden verifizierten Campins ist jedoch höchst problematisch, da die Werke in sich keine Homogenität aufweisen. Es spricht einiges dafür, dass innerhalb der Werkstatt des Meisters von Flémalle eine Reihe von unterschiedlichen Mitarbeitern tätig gewesen ist. Rogier van der Weyden kam als fertig ausgebildeter Maler in diese Werkstatt hinzu; und es ist äußerst wahrscheinlich, dass er die Innovationen in der Kunst maßgeblich beeinflusste.

Dank einer neu entwickelten Technik der Farbmischung – das Ei als Bindemittel wurde durch Öl ersetzt – waren die Maler um 1430 in der Lage, Lasuren – also dünne, übereinanderliegende Farbschichten – darzustellen und somit unterschiedlichste Oberflächen, Stoffe und Lichteinfälle abzubilden.

Eine weitere Neuerung in der Kunst zu dieser Zeit ist das Aufkommen der Portraitmalerei: Zuvor nur als Stifter abgebilder, wird das Individuum als wichtig genug erachtet, einen eigenen, gesamten Bildraum auszufüllen.

Die Ausstellung bietet daher die einmalige Gelegenheit, einige der bedeutendsten Gemälde vom Beginn der neuzeitlichen Kunst in unmittelbarer Gegenüberstellung zu studieren. Der Kurator der Ausstellung, Stephan Kemperdick, wird uns persönlich durch die Ausstellung führen.

Julian Rosefeldtbei Arndt & Partner

Julian Rosefeldt zeigt vom 01.-16. Mai 2009 seine neueste Fünf-Kanal-Filminstallation „American Night“ bei Arndt & Partner in der Halle hinterm Hamburger Bahnhof, in der er eine gefälschte Westernromantik beschwört.

Für den Künstler Julian Rosefeldt ist der Mensch in seinem eifrigen Bemühen, alles in den Griff zu bekommen, eine große Lachnummer. In seinen Filminstallationen umkreist er mit Slapstickhumor und lakonischem Blick die Problemzonen des Lebens.

Seine Filme sind wie Historienmalerei der Gegenwart, inszenierte Situationen eines theatralischen Alltags. Sie spielen mit klassischen Methoden des Erzählens, verzichten aber auf jede Dramaturgie. Es gibt weder Anfang noch Ende noch Höhepunkt, weil die Installationen als Loops immer wieder neu beginnen.

„Es geht immer wieder um die Angst des Scheiterns als Motor des menschlichen Seins, also gar nicht so sehr um das Scheitern selbst, vielmehr die Angst davor, die uns antreibt.“, Julian Rosefeldt

Längst ist Julian Rosefeldt international bekannt, seine Arbeiten werden in renommierten Institutionen wie der Hayward Gallery London, dem Centre Pompidou Paris oder dem Bonner Kunstmuseum gezeigt. Am 16. Mai hat er sich freundlicherweise bereit erklärt, uns in seiner Ausstellung zu empfangen und über seine Arbeit als Filmkünstler zu berichten.

Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek

1886 gegründet umfasst die Sammlung Fotografie als eine Abteilung der Kunstbibliothek heute 160.000 Aufnahmen, darunter sowohl künstlerische als auch Gebrauchsfotografie.

Nach der Sanierung des Kaisersaals wird die Sammlung Fotografie ab Herbst 2009 unter einem Dach mit der Helmut Newton Stiftung im Museum für Fotografie in der Jebensstraße 2 gegenüber dem Bahnhof Zoologischer Garten angesiedelt sein.

Ziel der Neugründung ist die Bündelung der vielfältigen musealen Aufgabenbereiche für das Medium Fotografie bei den Staatlichen Museen zu Berlin in einem Ausstellungs-, Forschungs- und Dokumentationszentrum. Schrittweise wurden seit Sommer 2004 die Räumlichkeiten für diese Zwecke umgebaut. Neben Ausstellungssälen und Archivräumen wird es nach einer zweiten Bauphase einen Studien- und Lesesaal mit Präsenzbibliothek, eine Restaurierungswerkstatt und eine museumspädagogische Abteilung mit Demonstrationsfotolabor geben.

Für die Kunstbibliothek hat die Sanierung des Kaisersaales eine herausragende Bedeutung. Ziel ist die Errichtung einer Ausstellungsplattform für historische und zeitgenössische Fotografie auf einem technischen Niveau, das den Standards eines internationalen Ausstellungshauses entspricht.

Wir bekommen jetzt schon eine Führung durch das Archiv der Sammlung Fotografie, das nur auf spezielle Anfrage einsehbar ist, und erhalten so schon mal einen kleinen Vorgeschmack.

Das Künstlerhaus Bethanien Entdeckungstour mit Cynthia Girard und Sarah Rya

Das Bethanien am Mariannenplatz hat eine lange Tradition hinter sich; 1845 bis 1847 als Central-Diakonissenanstalt und Krankenhaus im Stil der Schinkel-Schule errichtet, sollte es 1974 abgerissen werden. Jedoch ebneten einige Denkmalschützer den Weg und präsentierten für Bethanien neue Nutzungskonzepte: das Künstlerhaus Bethanien war geboren.
Die einstige medizinische Tradition des Hauses ist nur noch an den langen Korridoren zu erahnen. Das Künstlerhaus Bethanien unterhält in dem Gebäude 25 Ateliers, 3 Ausstellungsstudios und ein Medienlabor. Es ist Projektwerkstatt, Veranstaltungsort und Herausgeber einer Serie anspurchsvoller Katalogpublikationen sowie einer Kunstzeitschrift. Weltweit bekannt ist es für sein Residenzprogramm, dass es KünstlerInnen der ganzen Welt ermöglicht, durch ein mehr-monatiges Stipendium mit idealsten Bedingungen in Berlin zu leben, zu arbeiten und auszustellen.
Ende April eröffnen die Ausstellungen der Künstlerinnen Cynthia Girard (CAN) und Sarah Ryan (AUS), was uns zum Anlass dient, die beiden zu besuchen. Sie werden uns mitnehmen in den Mikrokosmos Künstlerhaus Bethanien, uns ihre Ausstellung und ihre Arbeitsstudios zeigen, so dass wir die Möglichkeit bekommen, zu erleben, wie es denn ist, Künstler im Programm des Künstlerhaus Bethaniens zu sein.

„Die Erzählung ist bruchstückhaft, das Bild ist ambivalent, irgendetwas ist aus dem Lot geraten: Ein Schmetterling verbrennt sich fast die Flügel an einer Kerze, eine Maus malt ein seltsames Stillleben… Die traumähnlichen Welten in meinen Bildern sind schön, magisch und burlesk zugleich und beinhalten unterschwellige Verweise an Erotik und Bizarres.“, Cynthia Girard (Malerei)

„ In meiner Arbeit versuche ich Momente zu fotografieren, die von einer delikaten Schönheit geprägt sind und ihr Augenmerk auf Dinge und Ereignisse der zeitgenössischen Kultur richten… Dabei versuche ich, meine Bilder in einer bestimmten Distanz zum Betrachter zu halten, damit sie vertraut und fremd zugleich wirken, sowie zweideutige Situationen zu erzeugen, die statt einer endgültigen Aussage unterschiedliche Lesarten zulassen.“, Sarah Ryan (Fotografie)