Walton Ford „Bestiarium“

Die noch bis zum 24. Mai 2010 im Hamburger Bahnhof präsentierte Ausstellung zeigt das bislang in Europa nicht zu sehende Werk des US-amerikanischen Malers Walton Ford.

Der 1960 im Bundesstaat New York geborene Künstler bezieht sich in seinen meist großformatigen, in Gouache- und Aquarelltechnik ausgeführten Werken auf naturkundliche Abbildungen des 18. und 19. Jahrhunderts. Diese werden jedoch mit aktuellen Themen vermischt und angereichert, die immer wieder überraschende Aspekte in seinen Bildern offenbaren.

Zu sehen sind 25 Arbeiten, die seit 2000 entstanden sind und die im bewussten Gegensatz zu anderen zeitgenössischen Positionen versuchen Ästhetik und Lebensgefühl der Vergangenheit aktuell und so erfahrbar zu machen.

Jutta Weber, die als Volontärin maßgeblich an der Gestaltung und Realisierung des „Bestiariums“ beteiligt war wird uns durch die Ausstellung führen.

Atelierbesuch bei Tilo Schulz

Der 1972 in Leipzig geborene Künstler beschäftigt sich in seinen Skulpturen, Zeichnungen, Bildern, Objekten und raumgreifenden Installationen mit dem Wandel von Kultur und künstlerischen wie politischen Vorstellungen.

Dabei geht es dem gleichzeitig als Kurator und Autor tätigen Künstler immer darum, komplexe Zusammenhänge im Medium der Ausstellung zu reflektieren.

Scheinbar unvereinbare Vorstellungen wie Figuration und Abstraktion, Realismus und Formalismus, Sozialismus und Kapitalismus, Kunst und Desin, Popkultur und kritische Theorie werden einander gegenübergestellt und in Zusammenhang gebracht.

Vermittelt werden die unterschieldichen Themen, die Schulz in verschiednen künstlerischen Medien aufgreift, nicht zuletzt über die sinnliche Erfahrbarkeit der Ausstellung und die Einbindung der BesucherInnen.

An seinem Arbeitsplatz wird uns der Künstler persönlich etwas über seine Arbeiten und seine aktuellen Ausstellungsprojekte erzählen. Darüberhinaus wird er im April zusammen mit Jörg van den Berg eine Gruppenausstellung in der temporären Kunsthalle kuratieren, über die wir schon jetzt einges erfahren werden.

Wir freuen uns über Eure Anmeldung unter: anmeldung@jungemeister.net.

Kurzbiografie:
Tilo Schulz war Gründer und Mitherausgeber der Kulturzeitschrift „spector, cut + paste“, lehrte als Dozent und erhielt diverse Preise und Stipendien. Erst kürzlich kuratierte er zusammen mit Eva Kraus die Ausstellung „Reduction und Suspense“ für den Bregenzer Kunstverein. Tilo Schulz hatte zahlreiche internationale Einzelausstellungen, zuletzt im Institut of Contemporary Art – Dunaújváros, Ungarn (2009), in der Blackwood Gallery Toronto (2008), in der Wiener Secession (2008) und in der Galerie für zeitgenössische Kunst Leipzig (2007), und er war in bedeutenden Gruppenausstellungen vertreten, unter anderem in „Overtake“, Glucksman Gallery, Cork (2007),. „50 Jahre documenta“, Friedericianum Kassel (2005), „deutschemalereizweitausenddrei“, Kunstverein Frankfurt (2003), „German Open“, Kunstmuseum Wolfsburg (1999) und bei Manifesta 2, Luxemburg (1998).

Daniela Brahm & ExRotaprint

Die Künstlerin Daniela Brahm führt uns in ihr Studio und präsentiert uns ihr künstlerisches Werk. In ihren Arbeiten beschäftigt sich Daniela Brahm mit der Stadt als sozialem Raum. Ihre letzte Installation in Warschau, „The Big Argument“, inspiriert sich aus der Sichtbarkeit der Auseinandersetzung zwischen sozialen Gruppierungen in Warschau und konfrontiert die Bewohner auf großen Stellwänden mit charakteristischen Gebäuden der Warschauer Nachkriegsära. Auf diese Weise mischt sich die Stimme der Kunst in den urbanen Diskurs.

Zudem sehen wir einen Teil des Geländes von ExRotaprint. Die ehemalige Druckerei stellt nicht nur eines der architektonisch interessantesten Gebäude der 50er Jahre Moderne in Berlin dar. Sie beherrbergt auch eine ungewöhnliche Initiative von Künstlern, dieses Gebäude als Raum für das Zusammentreffen von Kunst und urbaner Altagskultur zu erhalten. Wie sie zusammen mit anderen Engagierten einen Weg gefunden hat, das Gebäude vor der Kommerzialisierung und dem Aufkauf durch allein finanziell interessierte Investoren zu bewahren, wird uns die Künstlerin erzählen.

Berlin 89/09Kunst zwischen Spurensuche und Utopie

Einen kulturellen Beitrag zum 20jährigen Jubiläum des Mauerfalls möchte natürlich auch die Berlinische Galerie leisten. Dabei stellt sie verschiedene Strömungen dar, mit denen sich in Berlin ansässige Künstler nach dem Fall auseinander gesetzt haben. Denn gerade Berlin stand damals als Repräsentat beider Gesellschaftssysteme im Mittelpunkt und war damit auch Ort von fokussiertem Wandel und künstlerischer Auseinandersetzung.

Die Ausstellung ist in drei Kapitel
„Spurensuche“, „Panorama des Wandels“ und „alternative Konzepte“ unterteilt.
Tiefsinnig, aber auch leichtfüßig informiert bzw.erinnert die Ausstellung den Besucher in den drei Bereichen über Verluste und
Veränderungen, Wünsche und Ideen, die der Mauerfall im Stadtbild von Berlin und in den Köpfen der Menschen ausgelöst hat.
Dabei stellen vor allem Werke von Fred Rubin, Tobias Hauser oder Olaf Metzel Höhepunkte dar.

Eine sehr abwechslungsreiche Ausstellung, die es trotz des übersättigten Themas geschafft hat, neue Impulse und Sichten zu geben.

Herr Stahlhut, der zusammen mit Guido Fassbender die Ausstellung kuratiert hat, wird uns durch die Ausstellung führen.
Gleich anschließend wird ein Künstlergespräch mit Fred Rubin stattfinden.

Neues Museummit Marcus Mathias, David Chipperfield Architects

pektakulär war die Wiedereröffnung des Neuen Museums, 70 Jahre nach seiner Schließung und den Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg. Lange hat der Wiederaufbau auf sich warten lassen, nun erstrahlt es in neuem Glanz im alten Gewand, oder soll man sagen in altem Glanz im neuem Gewand.
Im Frühjahr noch ließ Sasha Waltz ihre Tänzer den Ort erforschen und bespielte das gesamte Haus in einer beeindruckenden Choreografie, setzte dabei die reiche Historie sowie die Architektur in Szene; im Oktober wurde das Haus dann lang ersehnt wieder als Heimstätte des Ägyptischen Museums mit seiner Papyrussammlung und des Museums für Vor- und Frühgeschichte mit Objekten der Antikensammlung geöffnet.

Spektakulär ist vor allem die Architektur des englischen Architekten David Chipperfield, der von dem zerstörten, über Jahrzehnte vor sich hin verfallenden Bau, das meistmögliche der alten Bausubstanz bewahrte, dem Konzept der ergänzenden Wiederherstellung Folge leistend. Was dabei herausgekommen ist, davon könnt ihr Euch am 19. Dezember mit uns gemeinsam vergegenwärtigen.

Marcus Mathias, Architekt des renommierten Architekturbüros David Chipperfield und mehrere Jahre an der Realisierung des Neuen Museums beteiligt, freut sich uns vor Ort Einblicke in die Architektur und das zugrunde liegende Restaurierungskonzept zu geben.
Ein wenig aus dem Nähkästchen des Architektenalltags wird da bestimmt geplaudert, wir sind gespannt.

Mitgliederfahrt nach Leipzig

Am 28. November fahren wir nach Leipzig, eine der schönsten deutschen Städte. Vormittags Architektur. Nachmittags Kunst. Dazwischen: Füße hoch. Das ist das Programm.

Leipzig ist eine der wenigen Städte in Ostdeutschland die wachsen, statt zu schrumpfen. Doch auch in dieser Metropole hat der Stadtumbau Ost eine wichtige Rolle gespielt. Wir wollen uns diverse Projekte zu umgenutzten Industriebauten, bzw. Industriebrachen anschauen. Auch werden wir Grünau als Beispiel für eine klassische Großwohnsiedlung ansehen. Zu den Brennpunkten und Lösungsansätzen
wird uns Ulrich Tietz führen, der den Leipziger Stadtumbau wesentlich mit begleitet hat.

In den Fokus der Kunstwelt ist Leipzig durch die Künstler der „Neuen Leipziger Schule“ gerückt, deren bekanntester und auch teuerster Vertreter wohl Neo Rauch ist.

Den Nachmittag wollen wir deshalb auf dem Gelände der Baumwollspinnerei verbringen. Dies ist das Zentrum vieler Künstler und deren Galeristen. Von dort aus wurde die „Neue Leipziger Schule“ auf dem wichtigen US-Markt bekannt gemacht, von dort aus startete Neo Rauch seine internationale Karriere.
Auf dem Gelände haben sich u. a. dreizehn Galerien und Ausstellungsflächen und rund 100 Künstler (z. B. Neo Rauch, Matthias Weischer, Tilo Baumgärtel) niedergelassen. Auch Modedesigner, Architekten und Drucker haben sich in der Baumwollspinnerei angesiedelt, ebenso wie eine Goldschmiede, eine Keramikwerkstatt, ein Filmklub und eine Porzellanmanufaktur.

Abends werden wir so rechtzeitig zurück sein, dass keine Party in Berlin verpasst wird.