02/05/2011 19:00Uhr

Nasan Tur | Studio Visit

„Es wäre sicherlich verfehlt, Turs Werk direkt und einzig auf den Situationismus zurückzuführen. Dennoch zeigen viele seiner Arbeiten, dass es sich nach wie vor lohnt, über die Rolle der Kunst und Debords Forderung nach Ausweitung der Kunstzone über den White Cube hinaus nachzudenken.

Dabei gelingt es Tur, mit einfachen, dafür umso effektiveren Mitteln und vor allem mit Witz, die Demarkationslinie der Kunstwelt exakt zu kartografieren. Denn waren Debord und die Situationisten mit ihren grenzüberschreitenden Aktionen noch vom Willen zur Veränderung getrieben, kann Tur heute lediglich das Scheitern dieser einst radikalen Konzepte konstatieren. So sprühte der Künstler die orthografisch falsche Parole Time for Revollusion als Graffiti an eine Wand in Frankfurt: Die Revolution, längst nur noch ein Schlagwort aus dem Baukasten der Werbesprache, entpuppt sich als bloße Illusion.

Die Utopie der Einheit von Kunst und Leben, der Glaube an die gesellschaftsverändernde Macht der Kunst sind längst auf dem Trümmerhaufen der Geschichte gelandet. Doch dass dieser immer wieder eine Untersuchung wert ist, dass sich von dort aus trefflich die Symptome der Gegenwart kommentieren lassen, zeigt Nasan Tur mit seinem hintersinnigen und intelligenten Werk.“
– Sven Beckstette: Auszug aus Nasan Tur bei Tanas, Berlin, Purzelbäume in Istanbul

Am 2. Mai 2011 erhielten wir die Möglichkeit, mit Nasan Tur (*1974) persönlich zu seiner Haltung zu Time for  Revollusion und zu politischer künstlerischer Praxis ins Gespräch zu kommen.