24/01/2009 17:00Uhr

Hamburger Bahnhof | Führung mit Dr. Gabriele Knappstein

Dekonstruktionen des Künstlermythos: Das Bild und die Vorstellung vom autonomen, genialisch schaffenden Künstler wurden bereits in den Avantgardebewegungen des frühen 20. Jahrhundert auf unterschiedliche Weise attackiert. Seit den 1960er Jahren haben Künstlerinnen und Künstler die Kritik an einem heroischen Künstlerbild weiter vorangetrieben, häufig verbunden mit der radikalen Infragestellung eines am autonomen Werk orientierten Kunstbegriffs. Zum Teil beeinflusst vom Diskurs über den “Tod des Autors” und begleitet von einer kritischen Auseinandersetzung mit der Institution Kunst, haben sie verschiedene Stereotypen, die mit der Konzeption des meist männlich gedachten Künstlergenies in Verbindung gebracht wurden, befragt und dekonstruiert.

Herkömmliche Modelle von Autorschaft werden dabei ebenso auf den Prüfstand gestellt wie traditionelle Auffassungen von männlicher und weiblicher Kreativität. Mal humorvoll, mal sarkastisch, mal destruktiv wird die Position des Künstlers oder der Künstlerin im Kunstbetrieb reflektiert, und Kategorien wie Authentizität und Subjektivität werden hinterfragt.

Die verschiedenen Ansätze zur Dekonstruktion des Künstlermythos in der Kunst seit 1960 führen die Ambivalenz von altbekannten Künstlerrollen zwischen Auflösung und Bestätigung vor und stellen die gesellschaftlichen Erwartungen an die Figur des Künstlers bzw. der Künstlerin zur Diskussion.

Gezeigt wurden Werke u.a. von Azorro, Marcel Broodthaers, Marcel Duchamp, Maria Eichhorn, Andrea Fraser, Rodney Graham, Martin Kippenberger, Sarah Lucas, Bruce Nauman, Ugo Rondinone, Ed Ruscha und Sturtevant aus der Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof, den Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin und anderen Sammlungen.

Die Kuratorin Dr. Gabriele Knapstein führte uns persönlich durch die Ausstellung.