28/04/2012 12:00Uhr

Berlinische Galerie | Kurator*innenführung

Am 28. April 2012 gingen wir mit Euch zu Boris Mikhailov in die Berlinische Galerie.

Paula Schwarz von Jung&Artig hat uns tatkräftig unterstützt, so dass Christina Landbrecht, die kuratorische Assistentin des Direktors und Kurators des Ausstellung Dr. Thomas Köhler, uns persönlich durch die Ausstellung führten und uns etwas über die Zusammenarbeit mit dem 74-jährigen Fotografen erzählten.

Seit seinen fotografischen Anfängen Mitte der 1960er Jahre hat Boris Mikhailov (*1938 in Charkow/Ukraine) ein breites und beeindruckend vielschichtiges Werk geschaffen.

Mikhailov verbindet auf vielfältige Weise den Aspekt der Dokumentation mit jenem der konzeptuellen Kunst und leistet damit auch medientheoretisch einen wichtigen Beitrag zur Betrachtung der Fotografie und ihrer Rezeptionsgeschichte.

Das „Alltägliche“ war für ihn in den 1990er Jahren vor allem das Existentielle, das Bedrohliche. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wendete er sich den Verlierern dieses sozialen Wandels zu, porträtierte sie, zeigte sie in ihrer Not und Verzweiflung und damit als Resultat des erbarmungslosen, repressiven politischen Systems der Sowjetunion.

Mikhailov, der im Rahmen des DAAD-Künstlerprogramms im Jahr 1996 in Berlin lebte, kehrte im Jahr 2000 in die Stadt zurück und pendelt seither zwischen Berlin und seiner Heimatstadt Charkow in der Ukraine.

Virtuos hat Mikhailov verschiedenste Möglichkeiten des Mediums ausgeschöpft und ein ebenso schonungsloses wie humorvoll-ironisches Bild seiner unmittelbaren Umgebung gezeichnet. Seine immer neue Auseinandersetzung mit fotografischen Techniken sowie die Arbeit mit verschiedensten Kameras und Stilmitteln, aber auch das Changieren zwischen konzeptuellen Arbeiten und dokumentarischen Herangehensweisen machen ihn zu einem der interessantesten Künstler der Gegenwart.

Die Ausstellung ist als Werkschau konzipiert und vereint eine Auswahl von Arbeiten, die ebenso die experimentellen Bilder früherer Jahre wie die zuletzt in Berlin entstandenen Werke umfasst. Es ist die bisher erste umfassende Ausstellung des Künstlers in Deutschland.