Le CorbusierKunst und Architektur im Martin-Gropius-Bau

Bis heute nimmt das Werk von Le Corbusier (1887 – 1965) eine zentrale Stellung im Diskurs über Architektur und Urbanismus ein. Dennoch hat keine Ausstellung seit 1987 die vielen Aspekte in Le Corbusiers Schaffen aufgezeigt, die dessen ungebrochene Aktualität ausmachen. Dies unternimmt die vom Vitra Design Museum organisierte Ausstellung, die bereits in Städten wie Rotterdam, London und Lissabon präsentiert wurde und diesen Sommer in Berlin zu sehen ist.

Aufgeteilt in drei relativ unabhängige Bereiche Contexts, Privacy and Publicity sowie Built Art, wird die Schau Leitthemen von Corbusiers Werk herausgreifen: seine Faszination für die moderne Großstadt, sein Interesse am Mediterranen und dem Orient, seine Hinwendung zu organischen Formen in den dreißiger Jahren, aber auch sein Interesse an neuen Technologien und Medien. Erst die Zusammenfügung dieser und anderer Aspekte ermöglicht das ganzheitliche Verständnis seines Œuvre, das sich in einem zunehmend intensiveren Zusammenspiel von Architektur, Städtebau, Malerei, Design, Film und anderen Disziplinen manifestierte. Den Kern der Ausstellung wird eine Auswahl von Exponaten aus der Fondation Le Corbusier in Paris bilden.

Darunter sind Originalgemälde, Skulpturen, zahlreiche Originalmöbel, Originalzeichnungen und -pläne, Erstausgaben von Le Corbusiers Büchern sowie zahlreiche Kleinobjekte aus der privaten Sammlung des Architekten, die ihm als Inspiration, Vorlage und Demonstrationsobjekte dienten. Da für ein umfassendes Verständnis von Le Corbusier auch die wechselseitige Beeinflussung mit zahlreichen Zeitgenossen berücksichtigt werden muss, zeigt die Ausstellung erstmals auch zahlreiche Exponate von Zeitgenossen, mit denen er in enger Verbindung stand, darunter Originalmöbel von Charlotte Perriand und Jean Prouvé sowie Gemälde von Robert Delaunay, Fernand Léger, Georges Braque, André Bauchant. Mit dieser Vielfalt unterschiedlichster Ausstellungsmedien soll die Ausstellung die historischen Vorbilder Le Corbusiers veranschaulichen und zugleich die technischen, formalen und philosophischen Hintergründe seiner Werke deutlich machen.

Deutsche GuggenheimImi Knoebel + Sammlung Deutsche Bank

Die Deutsche Guggenheim ist ein einzigartiges Joint Venture zwischen der Deutschen Bank und der Solomon R. Guggenheim Foundation. Die derzeitige Ausstellung in zwei ‚Akten’ präsentiert den Beuys Schüler Imi Knoebel. ‚ICH NICHT’ (23.05.-26.06.) ist eine direkte Antwort auf ‚Who’s afraid of Red, Yellow and Blue’? des abstrakten Expressionisten Barnett Newman. Knoebels zwischen 2005-2009 entstandenen Arbeiten behandeln die nicht figurativ gegenstandslosen Formsprache Barnett Newmans basierend auf den drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau. Man darf gespannt sein, was das Zitat dem Original zu erwidern hat.
‚ENDUROS‘ (04.07.-02.08.), der zweite „Akt“ der Schau, ermöglicht einen Rückblick auf Knoebels Werk von 1968 bis 2005 und deckt damit das gesamte Spektrum seines gegenstandslosen Formenvokabulars ab. Knoebels frühe Auseinandersetzung mit experimentellen Formen und Materialien wie dem Rostschutzmittel Mennige, den „immateriellen“ Lichtprojektionen sowie den gestisch-informellen Abstraktionen werden bei seinen Papierarbeiten besonders evident. Rund 200 Collagen, Zeichnungen, Photographien und Druckgraphiken aus der Sammlung Deutsche Bank bieten einen umfassenden Einblick in die Werkentwicklung des Künstlers.

Die Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Bank Unter den Linden 13/15 ist jedoch nicht nur wegen der Ausstellungshalle der Deutsche Guggenheim im Erdgeschoss ein Ort der Gegenwartskunst.

Auf allen vier Büroetagen finden sich prominente Werke aus der Sammlung Deutsche Bank, zu überschreiben mit dem Motto „Kunst am Arbeitsplatz“. Die ersten beiden Etagen sind internationalen Positionen der Fotografie gewidmet; u. a. findet man hier Werke von Miwa Yanagi, Thomas Florschuetz, Gillian Wearing, Sharon Lockhart oder Erwin Wurm, der für seine Five Minute Sculptures Menschen in skurrilen Situationen als lebende Skulpturen verharren ließ. In der dritten Etage wird die Geschichte der erneuerten figurativen Malerei erlebbar. Neben Werken von Markus Lüpertz und A.R. Penck stehen die neo-expressiven Arbeiten der „Neuen Wilden“, wie etwa Elvira Bach, Rainer Fetting oder Salomé. Weltweit inspirieren 56.000 Kunstwerke die Mitarbeiter der Deutschen Bank.

Zu Beginn unserer Führung werden wir uns die Ausstellung ‚ENDUROS‘ von Imi Knoebel in der Deutsche Guggenheim Berlin anschauen. Im Anschluß kommt JungeMeister.net in den Genuss, die Exponate der Deutschen Sammlung Berlin hautnah zu erleben.

Architekturguide zur Moderne

Das Haus am Waldsee zählt seit 1946 zu den ersten Ausstellungshäusern für zeitgenössische Kunst in Deutschland. Als Ort internationaler Größen der Kunstszene, trug es wesentlich zur Wiederbelebung des kulturellen Lebens in der Bundesrepublik bei. Schon im Jahr 1949 wurden hier Einzelausstellungen von Picasso und Schmitt-Rottluff gezeigt; später gab es Schauen von Henry Moore über Ernst Ludwig Kirchner, Max Ernst, Hans Hartung, Willi Baumeister. Bis heute werden in der Zehlendorfer Villa mit malerischem Garten innovative Positionen im aktuellen Kunstgeschehen geboten.

Der Architekturguide weist den Weg zu herausragende Villen der Moderne rund um den Schlachtensee. Mittels eines ca. 90 minütigem Audioguides werden wir unter anderem Hermann Muthesius‘ berühmtem Haus van Velsen aus dem Jahr 1907, Werner Aisslingers Loftcube von 2004 ansteuern und Häuser so berühmter Architekten wie Ludwig Mies van der Rohe und Walter Gropius sehen. Anschließend haben wir die Gelegenheit mit Katja Blomberg, künstlerische Leiterin des Haus am Waldsee, über das Haus sowie Idee, Entwicklung und Konzept des Audioguides zu sprechen.

Der Künstler Anselm Reyle zeigt uns seine Arbeitsräume

Anselm Reyle gehört seit etwa 3 Jahren zu der jungen aufstrebenden Künstlergeneration Berlins.

Mit seinen Streifenbildern schaffte er den Durchbruch auf dem Kunstmarkt und baute darauf hin ein solides mittelständisches Unternehmen auf, in dem zeitweise an die 50 Assistenten arbeiteten, bis letztes Jahr die Wirtschaftskrise auch ihn dazu zwang sich wieder zu verkleinern.

2002 fand er im Atelier eines Freundes ein Stück goldene Metallic-Dekofolie und hatte den Einfall, sie auf einer Leinwand zu befestigen. Er experimentierte mit diesem Material so lange, bis der Faltenwurf und die Lichtreflexe ihn an die abstrakte Malerei erinnerten. Auch seine bekannten Streifenbilder werden aus unterschiedlichsten Materialien zusammengestellt.

In vielen seiner Arbeiten verwandelt er die Rohstoffe und Zeichen der Konsumkultur in Kunstprodukte. Sie nehmen ihren Ausgang von halbindustriell gefertigten Deko-Objekten um sich dann ihren Referenzpunkt in der Kunstgeschichte zu suchen. Reyle bedient sich verschiedener Kunstströmungen der letzten Jahrzehnte, wobei vor allem die Kombination der Materialwahl und der Oberflächenstruktur vordefinierte und unausgesprochene Grenzen überschreit.

Anselm Reyle erneuert die abstrakte Kunst, indem er durch ironische Kommentare Assoziationen und Referenzen hinterfragt und damit gleichzeitig Nähe und Distanz zu seinen Werken schafft.

Am 18. Juni haben wir die einmalige Gelegenheit hinter die Kulissen zu schauen: Anselm Reyle wird uns eine Führung durch seine Atelierräume geben.

secondhome projects

Schon seit einigen Jahren wird der Wedding in den Stadtmagazinen immer wieder zum künftigen In-Viertel gekürt. Auch das Galerien- Kreativbüro und Kunstwohnhausprojekt secondhome folgt dieser Argumentation:

‚Im vergangenen Jahr sind die kulturellen und künstlerischen Aktivitäten im Wedding enorm angestiegen. Ein Pluspunkt für den Kiez. Die Aufmerksamkeit, die der Wedding als alternativer Kunst- und Kulturstandort erhält, zieht mittlerweile Touristen aus aller Welt an. Schließlich gibt es dort häufiger als auf den ausgetretenen Galeriepfaden in Mitte künstlerische Auseinandersetzungen ohne den kommerziellen Druck des Marktes zu entdecken‘- so die website.

Secondhome kann dabei an kulturelle Einrichtungen wie die nahegelegenen Osramhöfe, die Uferhallen, sowie die Kolonie Wedding anknüpfen. Gleichwohl ist das Projekt in einer spannenden Aufbauphase begriffen, deren Ausgang noch ungewiss erscheint.

Um zu erfahren, was sich wirklich hinter dem ‚Neuen Wedding‘ verbirgt, haben wir ein Treffen mit Petra Prahl vereinbart, die das Projekt begleitet. In einer Führung durch die Räumlichkeiten wird sie uns neben dem künstlerischen Programm das stadträumliche Konzept von secondhome präsentieren und so Potentiale des Kunststandortes Wedding beispielhaft verdeutlichen.

Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden

Prominente Leihgeber aus aller Welt unterstützen das ambitionierte Ausstellungsprojekt, das in einer außerordentlichen Dichte die Werke der beiden wohl bekanntesten niederländischen Meister des 15. Jahrhunderts im direkten Vergleich sichtbar macht.

Um 1430 kommt es in den Niederlanden zu einer künstlerischen Revolution: Detailrealismus, die genaue Wiedergabe der sichtbaren Welt und eine naturalistische Lichtdarstellung setzen neue Impulse in der Malerei. Dabei sind die Namen Jan van Eyck und der Meister von Flémalle mit seinem Schüler Rogier van der Weyden die Hauptvertreter des veränderten Stils. Doch während Jan van Eycks Bilder durchgehend signiert und von den Kunsthistorikern bereits ausführlich erforscht sind, ist der Name „Meister von Flémalle“ ein Konstrukt; ein Geschöpf der Stilkritik des 19. Jahrhunderts. Um drei Tafeln herum, die von derselben Hand stammen, wurden weitere Bilder demselben Künstler zugesprochen. Tatsächlich aber wurden diese Gemälde von verschiedenen Händen ausgeführt. Irrtümlich ist auch die Herkunftsbezeichnung Flémalle: Denn die drei Hauptwerke, die dem Maler zugesprochen wurden, kommen nicht – wie zuvor angenommen – aus einer Werkstatt in Flémalle.

Seit dem frühen 20. Jahrhundert ist der Meister von Flémalle wiederholt mit dem Namen Robert Campin (geboren 1375) identifiziert worden. Die Gleichsetzung der Kunstfigur mit dem in Urkunden verifizierten Campins ist jedoch höchst problematisch, da die Werke in sich keine Homogenität aufweisen. Es spricht einiges dafür, dass innerhalb der Werkstatt des Meisters von Flémalle eine Reihe von unterschiedlichen Mitarbeitern tätig gewesen ist. Rogier van der Weyden kam als fertig ausgebildeter Maler in diese Werkstatt hinzu; und es ist äußerst wahrscheinlich, dass er die Innovationen in der Kunst maßgeblich beeinflusste.

Dank einer neu entwickelten Technik der Farbmischung – das Ei als Bindemittel wurde durch Öl ersetzt – waren die Maler um 1430 in der Lage, Lasuren – also dünne, übereinanderliegende Farbschichten – darzustellen und somit unterschiedlichste Oberflächen, Stoffe und Lichteinfälle abzubilden.

Eine weitere Neuerung in der Kunst zu dieser Zeit ist das Aufkommen der Portraitmalerei: Zuvor nur als Stifter abgebilder, wird das Individuum als wichtig genug erachtet, einen eigenen, gesamten Bildraum auszufüllen.

Die Ausstellung bietet daher die einmalige Gelegenheit, einige der bedeutendsten Gemälde vom Beginn der neuzeitlichen Kunst in unmittelbarer Gegenüberstellung zu studieren. Der Kurator der Ausstellung, Stephan Kemperdick, wird uns persönlich durch die Ausstellung führen.