6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst

Um ‚die Wirklichkeit‘ und ihre gegenwärtigen Transformationen geht es der 6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst und, damit verbunden, um die essentielle „Frage nach der Kunst der Gegenwart […], nach ihrem Verhältnis zur Wirklichkeit“. Was sich hinter diesen Formulierungen und Ankündigungen verbirgt, möchten wir gerne mit Euch zusammen erkunden. Iris Ströbel und Judith Boegner, die die Entstehung der Ausstellung als Praktikantinnen begleitethaben, werden daher mit uns zusammen eine Tour durch den Standort am Oranienplatz machen.

Weitere Standorte können im Anschluss selbständig erkundet werden. So etwa die Kunstwerke (KW) und die Ausstellung mit Werken von Adolph Menzel (1815-1905) in der Nationalgalerie, dessen Name nonchalant in die Künstlerliste eingeflickt wird. Dort findet sich außerdem Phil Collins, der Berlin diesen Winter mit seiner Autokino-Aktion in die Kunsthalle gelockt hat und Avi Mograbi, der durch seine Dokumentarfilme über den israelisch-palästinensischen Grenzkonflikt bekannt ist und noch viele mehr. Man darf also gespannt sein, wie sich die Kunst auf der Biennale zur ‚Wirklichkeit‘ positioniert.

Die Sammlung Olbrichtim "me Collectors Room Berlin"

Das von Thomas Olbricht konzipierte Ausstellungshaus me Collectors Room Berlin präsentiert ab diesem Monat in wechselnden Ausstellungen die Olbricht Collection, eine der umfangreichsten Privatsammlungen Europas. Die Sammlung umfasst Arbeiten von Beginn des 16. Jahrhunderts bis zur jüngsten Gegenwartskunst.

In der Sammlung treffen große Namen wie John Currin, Eric Fischl, Franz Gertsch, Cindy Sherman, Marlene Dumas oder Gerhard Richter auf Neuentdeckungen wie Corinne von Lebusa, Tomoko Nagai, Rachel Goodyear oder Jonas Burgert. Die Vielfalt der Namen verweist schon auf die Vielfalt der künstlerischen Medien, die die Sammlung aufweist: Malerei, Skulptur, Fotografie, Installation und neue Medien. Historische Rückblicke auf Zeitlos-Existentielles werden mit Sichtweisen auf Aktuelles und Zeitgenössisches kombiniert. Dabei werden Überraschungen und Widersprüche bewusst in Kauf genommen, die Arbeiten sollen irritieren und zu einem neuen Blick auf die Welt verhelfen.

Julia Rust, Geschäftsführerin der Sammlung wird uns durch die erste Ausstellung mit dem verheißungsvollen Titel „Passion Fruits picked from the Olbricht Collection“ führen.
Die erste Schau ausgewählter Werke der Olbricht Collection zeigt das Ergebnis eines leidenschaftlichen Bemühens um die Kunst. Kuratiert von Wolfgang Schoppmann, langjährigem Wegbegleiter und Berater von Thomas Olbricht, spiegelt sie in ebenso konzentrierter wie ausladender Form das epochenübergreifende Konzept der Sammlung wider, getragen von einem konsequenten und ungebrochenen Vertrauen in das kommunikative Potenzial künstlerischer Artefakte.

Parallel zu der Ausstellung „Passion fruit“ präsentiert me Collectors Room Berlin als ständige Ausstellung die WUNDERKAMMER OLBRICHT, in die wir auch noch hineinschauen werden.

squatting. erinnern, vergessen, besetzenKuratorenführung von Tilo Schulz

Nachdem wir bereits im letzten Semester im Atelier von Tilo Schulz einen Einblick in seine Arbeit gewinnen durften, freuen wir uns sehr, dass er uns jetzt persönlich durch die von ihm und Jörg van den Berg kuratierte Gruppenausstellung „squatting. erinnern, vergessen, besetzen“ in der Temporären Kunsthalle führen wird!

Die Ausstellung zeigt 22 Werke von siebzehn internationalen KünstlerInnen, die so im Raum inszeniert wurden, dass sie die Besucher in ein intensives Gespräch mit der Kunst verwickeln. Eine aktive Form des Erinnerns – und Vergessens – wird als ein gesamtgesellschaftliches Bedürfnis und als eine Grundlage für die Produktion und Rezeption von Kunstwerken verstanden. squatting führt künstlerische Werke zusammen, die Erinnerung thematisieren und Erfahrungen mit Orten, Situationen, Menschen und Handlungen verarbeiten. Die gezeigten Kunstwerke besetzen einen Raum (die Temporäre Kunsthalle), dessen Standort (der Schlossplatz) wiederum mit politischen Erinnerungen und ideologischen Zugriffen belegt ist.

Eine den Ausstellungsraum gänzlich durchquerende Barriere stellt den Besucher vor die Herausforderung diese zu überwinden, um den Gang durch die Ausstellung fortsetzen zu können. Verstellte und geöffnete Räume, Sicht- und Bewegungsachsen betonen sowohl Differenzen als auch Verbindungen der Werke untereinander. Eine ikonische Inszenierungspraxis, die Tilo Schulz seit den 90er Jahren verfolgt und weiterentwickelt, zeigt ein Netzwerk formaler wie inhaltlicher Bezüge zwischen den gezeigten Arbeiten auf.

Beteiligte KünstlerInnen:
Heike Kati Barath, Annika Eriksson, Carsten Fock, Franka Hörnschemeyer, Sven Johne, Šejla Kameric, On Kawara, Thomas Locher, Antje Majewski, Olaf Nicolai, Anna Oppermann, Manfred Pernice, Bojan Šarcevic, Michael Schmidt, Gitte Villesen, Simon Wachsmuth, Haegue Yang

Die Ausstellung läuft noch bis zum 24. Mai 2010. Jeden Montag gibt es ein Begleitprogramm.

Walton Ford „Bestiarium“

Die noch bis zum 24. Mai 2010 im Hamburger Bahnhof präsentierte Ausstellung zeigt das bislang in Europa nicht zu sehende Werk des US-amerikanischen Malers Walton Ford.

Der 1960 im Bundesstaat New York geborene Künstler bezieht sich in seinen meist großformatigen, in Gouache- und Aquarelltechnik ausgeführten Werken auf naturkundliche Abbildungen des 18. und 19. Jahrhunderts. Diese werden jedoch mit aktuellen Themen vermischt und angereichert, die immer wieder überraschende Aspekte in seinen Bildern offenbaren.

Zu sehen sind 25 Arbeiten, die seit 2000 entstanden sind und die im bewussten Gegensatz zu anderen zeitgenössischen Positionen versuchen Ästhetik und Lebensgefühl der Vergangenheit aktuell und so erfahrbar zu machen.

Jutta Weber, die als Volontärin maßgeblich an der Gestaltung und Realisierung des „Bestiariums“ beteiligt war wird uns durch die Ausstellung führen.

Atelierbesuch bei Tilo Schulz

Der 1972 in Leipzig geborene Künstler beschäftigt sich in seinen Skulpturen, Zeichnungen, Bildern, Objekten und raumgreifenden Installationen mit dem Wandel von Kultur und künstlerischen wie politischen Vorstellungen.

Dabei geht es dem gleichzeitig als Kurator und Autor tätigen Künstler immer darum, komplexe Zusammenhänge im Medium der Ausstellung zu reflektieren.

Scheinbar unvereinbare Vorstellungen wie Figuration und Abstraktion, Realismus und Formalismus, Sozialismus und Kapitalismus, Kunst und Desin, Popkultur und kritische Theorie werden einander gegenübergestellt und in Zusammenhang gebracht.

Vermittelt werden die unterschieldichen Themen, die Schulz in verschiednen künstlerischen Medien aufgreift, nicht zuletzt über die sinnliche Erfahrbarkeit der Ausstellung und die Einbindung der BesucherInnen.

An seinem Arbeitsplatz wird uns der Künstler persönlich etwas über seine Arbeiten und seine aktuellen Ausstellungsprojekte erzählen. Darüberhinaus wird er im April zusammen mit Jörg van den Berg eine Gruppenausstellung in der temporären Kunsthalle kuratieren, über die wir schon jetzt einges erfahren werden.

Wir freuen uns über Eure Anmeldung unter: anmeldung@jungemeister.net.

Kurzbiografie:
Tilo Schulz war Gründer und Mitherausgeber der Kulturzeitschrift „spector, cut + paste“, lehrte als Dozent und erhielt diverse Preise und Stipendien. Erst kürzlich kuratierte er zusammen mit Eva Kraus die Ausstellung „Reduction und Suspense“ für den Bregenzer Kunstverein. Tilo Schulz hatte zahlreiche internationale Einzelausstellungen, zuletzt im Institut of Contemporary Art – Dunaújváros, Ungarn (2009), in der Blackwood Gallery Toronto (2008), in der Wiener Secession (2008) und in der Galerie für zeitgenössische Kunst Leipzig (2007), und er war in bedeutenden Gruppenausstellungen vertreten, unter anderem in „Overtake“, Glucksman Gallery, Cork (2007),. „50 Jahre documenta“, Friedericianum Kassel (2005), „deutschemalereizweitausenddrei“, Kunstverein Frankfurt (2003), „German Open“, Kunstmuseum Wolfsburg (1999) und bei Manifesta 2, Luxemburg (1998).

Daniela Brahm & ExRotaprint

Die Künstlerin Daniela Brahm führt uns in ihr Studio und präsentiert uns ihr künstlerisches Werk. In ihren Arbeiten beschäftigt sich Daniela Brahm mit der Stadt als sozialem Raum. Ihre letzte Installation in Warschau, „The Big Argument“, inspiriert sich aus der Sichtbarkeit der Auseinandersetzung zwischen sozialen Gruppierungen in Warschau und konfrontiert die Bewohner auf großen Stellwänden mit charakteristischen Gebäuden der Warschauer Nachkriegsära. Auf diese Weise mischt sich die Stimme der Kunst in den urbanen Diskurs.

Zudem sehen wir einen Teil des Geländes von ExRotaprint. Die ehemalige Druckerei stellt nicht nur eines der architektonisch interessantesten Gebäude der 50er Jahre Moderne in Berlin dar. Sie beherrbergt auch eine ungewöhnliche Initiative von Künstlern, dieses Gebäude als Raum für das Zusammentreffen von Kunst und urbaner Altagskultur zu erhalten. Wie sie zusammen mit anderen Engagierten einen Weg gefunden hat, das Gebäude vor der Kommerzialisierung und dem Aufkauf durch allein finanziell interessierte Investoren zu bewahren, wird uns die Künstlerin erzählen.