Neues Museummit Marcus Mathias, David Chipperfield Architects

pektakulär war die Wiedereröffnung des Neuen Museums, 70 Jahre nach seiner Schließung und den Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg. Lange hat der Wiederaufbau auf sich warten lassen, nun erstrahlt es in neuem Glanz im alten Gewand, oder soll man sagen in altem Glanz im neuem Gewand.
Im Frühjahr noch ließ Sasha Waltz ihre Tänzer den Ort erforschen und bespielte das gesamte Haus in einer beeindruckenden Choreografie, setzte dabei die reiche Historie sowie die Architektur in Szene; im Oktober wurde das Haus dann lang ersehnt wieder als Heimstätte des Ägyptischen Museums mit seiner Papyrussammlung und des Museums für Vor- und Frühgeschichte mit Objekten der Antikensammlung geöffnet.

Spektakulär ist vor allem die Architektur des englischen Architekten David Chipperfield, der von dem zerstörten, über Jahrzehnte vor sich hin verfallenden Bau, das meistmögliche der alten Bausubstanz bewahrte, dem Konzept der ergänzenden Wiederherstellung Folge leistend. Was dabei herausgekommen ist, davon könnt ihr Euch am 19. Dezember mit uns gemeinsam vergegenwärtigen.

Marcus Mathias, Architekt des renommierten Architekturbüros David Chipperfield und mehrere Jahre an der Realisierung des Neuen Museums beteiligt, freut sich uns vor Ort Einblicke in die Architektur und das zugrunde liegende Restaurierungskonzept zu geben.
Ein wenig aus dem Nähkästchen des Architektenalltags wird da bestimmt geplaudert, wir sind gespannt.

Mitgliederfahrt nach Leipzig

Am 28. November fahren wir nach Leipzig, eine der schönsten deutschen Städte. Vormittags Architektur. Nachmittags Kunst. Dazwischen: Füße hoch. Das ist das Programm.

Leipzig ist eine der wenigen Städte in Ostdeutschland die wachsen, statt zu schrumpfen. Doch auch in dieser Metropole hat der Stadtumbau Ost eine wichtige Rolle gespielt. Wir wollen uns diverse Projekte zu umgenutzten Industriebauten, bzw. Industriebrachen anschauen. Auch werden wir Grünau als Beispiel für eine klassische Großwohnsiedlung ansehen. Zu den Brennpunkten und Lösungsansätzen
wird uns Ulrich Tietz führen, der den Leipziger Stadtumbau wesentlich mit begleitet hat.

In den Fokus der Kunstwelt ist Leipzig durch die Künstler der „Neuen Leipziger Schule“ gerückt, deren bekanntester und auch teuerster Vertreter wohl Neo Rauch ist.

Den Nachmittag wollen wir deshalb auf dem Gelände der Baumwollspinnerei verbringen. Dies ist das Zentrum vieler Künstler und deren Galeristen. Von dort aus wurde die „Neue Leipziger Schule“ auf dem wichtigen US-Markt bekannt gemacht, von dort aus startete Neo Rauch seine internationale Karriere.
Auf dem Gelände haben sich u. a. dreizehn Galerien und Ausstellungsflächen und rund 100 Künstler (z. B. Neo Rauch, Matthias Weischer, Tilo Baumgärtel) niedergelassen. Auch Modedesigner, Architekten und Drucker haben sich in der Baumwollspinnerei angesiedelt, ebenso wie eine Goldschmiede, eine Keramikwerkstatt, ein Filmklub und eine Porzellanmanufaktur.

Abends werden wir so rechtzeitig zurück sein, dass keine Party in Berlin verpasst wird.

Galerienrundgang Brunnenstrasse

Unser Galerienrundgang durch die Brunnenstrasse soll Euch einen Einblick in die Arbeit von Galerien und ihre unterschiedlichen Konzepte geben.

Wir werden um 12 Uhr bei Artnews Projects starten. Der Projektraum stellt junge künstlerische Positionen aus anderen Ländern und Städten aus und arbeitet immer in Kooperation mit ausländischen Partnern. Der Initiator Vlado Velkov wird uns das Konzept genauer erläutern, die aktuelle Ausstellung zeigen und die Plattform artnews.org vorstellen.

Als nächstes werden wir die ehemalige Produzentengalerie Amerika, die heute Klemm’s heißt, zum zweiten Mal besuchen und den Galeristen Sebastian Klemm fragen, wie sie die Umstrukturierung zu einer sich eigenständig tragenden Galerie geschafft haben.

In der Galerie Metro werden wir Gelegenheit haben, die Arbeiten von Markus Wirthmann anzuschauen, die insofern ungewöhnlich sind, als dass der Bildhauer mit flüchtigen und amorphen Materialien wie Sand, Wasser und Salz arbeitet und sich weitgehend aus der Formgebung zurück zieht, indem er die Materialien einem naturwissenschaftlichen Prozess überlässt.

Spanned wird es bestimmt auch in den beiden recht frisch auf die Brunnenstrasse gezogenen Galerien 401contemporary, die durch ihre konsequenten und minimalistischen Ausstellungen aufgefallen ist, und KochOberhuberWolff, wo wir ebenfalls mit dem Galeristen Dr. Ralf Otto Hänsel und Alexander Koch über die aktuellen Ausstellungen sprechen und im Fall von KOW über ihr Konzept des „Antirepräsentationalism“ und das
beeindruckende neue Gebäude diskutieren können.

Wer dann noch Lust hat, dem steht es natürlich frei, die noch zahlreichen weiteren Galerien in der Brunnenstrasse anzuschauen!

Preis der Nationalgalerie für junge Kunst 2009

Der Preis der Nationalgalerie für Junge Kunst wurde in diesem Jahr zum fünften Mal vergeben. Wir besuchen gemeinsam mit dem Kurator Jan May die Ausstellung zum Preis. Und es lohnt sich. Die vier Künstler Keren Cytter, Omer Fast, Annette Kelm und Danh Vo haben hervorragende Arbeiten abgeliefert.

Die gebürtige Vietnamesin Danh Vo stellt gegenständliche Objekte wie ein Schwert, ein Gewehr, ein hölzernes Grabmal aus. Sie sollen auf die Vorgeschichte von Vietnam verweisen. Hervorstechend ist besonders ein originaler Kronleuchter aus dem Hotel Majestic in Paris, und unter dem 1973 die Vietnam- Friedenskonferenz stattfand. Sehr vielschichtig. Sehr gut.

Unbedingt sehenswert ist auch die filmische Trilogie „Nostalgia“ des späteren Preisträgers Omer Fast. Alle drei Filme gehen auf die reale Situation eines westafrikanischen Flüchtlings zurück, der in London um Asyl bittet. Selbst wer sich bisher nicht für Videokunst erwärmen konnte wird von „Nostalgia“ begeistert sein.

Mehr soll nicht verraten werden. Meldet Euch an, kommt mit. Wir freuen uns auf Euch.

Thomas Demandin der Neuen Nationalgalerie

Die umfangreiche Einzelausstellung widmet sich einem der wichtigsten Themen in dem facettenreichem Werk des 1964 in München geborenen Künstlers: Deutschland. Die rund 40 ausgestellten Arbeiten beschäftigen sich mit gesellschaftlichen und geschichtlichen Ereignissen in Deutschland, vorwiegend seit 1945. Es ist daher kein Zufall, dass die Ausstellung mit den Jubiläen zweier historischer Ereignisse der deutschen Geschichte zusammenfällt: der Gründung der Bundesrepublik Deutschland vor 60 Jahren und dem Mauerfall vor 20 Jahren.

Thomas Demands Arbeitsweise geht über die Fotografie hinaus: In der Regel dienen dem Künstler Bildvorlagen aus der Berichterstattung der Massenmedien als Ausgangspunkt für den Bau raumgreifender Skulpturen aus Papier und Pappe, die die zweidimensionale Vorlage in die Dreidimensionalität übersetzen. Diese räumlichen (Re)konstruktionen fotografiert der Künstler mittels Großbildkamera, bevor er die papierenen Skulpturen zerstört. Auf den Vorlagen vorhandene Gebrauchsspuren, Details und abgebildete Personen werden nicht in den lebensgroßen Nachbau übernommen. So entstehen Phantombilder von „Tatorten“ abwesender Ereignisse, die einerseits bekannt erscheinen, andererseits ungreifbar bleiben.

Demands rekonstruktive Beschäftigung mit Bildern, die eine Bedeutung tragen oder zu tragen scheinen, lenkt unsere Aufmerksamkeit auf unser Rezeptionsverhalten gegenüber visuellen Medien und deren Einfluss auf unsere Erinnerung. In der Ausstellung werden die Arbeiten durch hierzu entstandene Bildlegenden von Botho Strauß begleitet, die die Werke jedoch nicht erklären, sondern als eigenständige Texte neue Lesarten eröffnen.

Le CorbusierKunst und Architektur im Martin-Gropius-Bau

Bis heute nimmt das Werk von Le Corbusier (1887 – 1965) eine zentrale Stellung im Diskurs über Architektur und Urbanismus ein. Dennoch hat keine Ausstellung seit 1987 die vielen Aspekte in Le Corbusiers Schaffen aufgezeigt, die dessen ungebrochene Aktualität ausmachen. Dies unternimmt die vom Vitra Design Museum organisierte Ausstellung, die bereits in Städten wie Rotterdam, London und Lissabon präsentiert wurde und diesen Sommer in Berlin zu sehen ist.

Aufgeteilt in drei relativ unabhängige Bereiche Contexts, Privacy and Publicity sowie Built Art, wird die Schau Leitthemen von Corbusiers Werk herausgreifen: seine Faszination für die moderne Großstadt, sein Interesse am Mediterranen und dem Orient, seine Hinwendung zu organischen Formen in den dreißiger Jahren, aber auch sein Interesse an neuen Technologien und Medien. Erst die Zusammenfügung dieser und anderer Aspekte ermöglicht das ganzheitliche Verständnis seines Œuvre, das sich in einem zunehmend intensiveren Zusammenspiel von Architektur, Städtebau, Malerei, Design, Film und anderen Disziplinen manifestierte. Den Kern der Ausstellung wird eine Auswahl von Exponaten aus der Fondation Le Corbusier in Paris bilden.

Darunter sind Originalgemälde, Skulpturen, zahlreiche Originalmöbel, Originalzeichnungen und -pläne, Erstausgaben von Le Corbusiers Büchern sowie zahlreiche Kleinobjekte aus der privaten Sammlung des Architekten, die ihm als Inspiration, Vorlage und Demonstrationsobjekte dienten. Da für ein umfassendes Verständnis von Le Corbusier auch die wechselseitige Beeinflussung mit zahlreichen Zeitgenossen berücksichtigt werden muss, zeigt die Ausstellung erstmals auch zahlreiche Exponate von Zeitgenossen, mit denen er in enger Verbindung stand, darunter Originalmöbel von Charlotte Perriand und Jean Prouvé sowie Gemälde von Robert Delaunay, Fernand Léger, Georges Braque, André Bauchant. Mit dieser Vielfalt unterschiedlichster Ausstellungsmedien soll die Ausstellung die historischen Vorbilder Le Corbusiers veranschaulichen und zugleich die technischen, formalen und philosophischen Hintergründe seiner Werke deutlich machen.